• Birgit Rolf

„Affäre – was nun?“

Fremdgehen in Paarbeziehungen

„Wie konntest Du mir das antun...?“

Das Aufdecken einer Affäre gehört vermutlich mit zu den schmerzlichsten Dingen, die in einer Partnerschaft passieren können. Es zieht einem regelrecht den Boden unter den Füßen weg und eine Welt bricht zusammen. Nichts ist mehr, wie es mal war oder wie man geglaubt hat, dass es war. Die erlebten Folgen können für den Betrogenen manchmal vergleichbar mit posttraumatischen Belastungsstörungen sein. Das Schlimmste ist nicht das Fremdgehen an sich, der Sex mit einer anderen Person. Das Schlimmste ist die ewige Lügerei und Geheimhalterei. Das parallele Leben, was stattgefunden hat, ohne dass der Betrogene nur ansatzweise irgendetwas davon geahnt hätte. Das Selbstwertgefühl des Betrogenen ist massiv angekratzt. Alles wird infrage gestellt, die Vergangenheit erscheint wie ein Puzzle, das neu zusammengesetzt werden muss. Das alles verbunden mit der quälenden Frage: „Kann ich überhaupt jemals wieder irgendwem vertrauen?“ Das klingt erstmal eindeutig: es gibt einen Schuldigen und einen Betrogenen. Naheliegend zu glauben, unter der Annahme, dass beide an der Paarbeziehung festhalten wollen, der Betrüger müsse jetzt ausgiebig Reue zeigen und Wiedergutmachung leisten und die Sache ist irgendwann zähneknirschend erledigt. So kann man es machen. Die Frage ist, mit welchen Auswirkungen für die Paarbeziehung? Ich möchte den Blick gerne etwas weiten und versuchen die Sache mehrdeutiger zu betrachten.

In Affären geht es nie nur um Sex!

Es gibt eine Menge Mythen, die sich um Affären ranken: „Eine gelegentliche Affäre tut einer langweiligen Ehe gut“ oder „Der Betrogene ist an einer Affäre zumindest mit Schuld“ oder „Fremdgehen ist immer ein Zeichen, dass in der Beziehung etwas nicht stimmt“. Klienten, die über Fremdgehen berichten, erzählen nicht von dem tollen Sex, den sie hatten. Es scheint um etwas anderes zu gehen. Darum, sich lebendig zu fühlen, einen Teil von sich wieder zu finden oder neu zu entdecken, der bisher nicht oder nicht ausreichend gelebt werden konnte. Insofern scheint die Wertung, dass jeder der fremdgeht einfach nur ein Mistkerl oder eine Schlampe ist zu kurz zu greifen.

Die neu gelebte Lebendigkeit

Oftmals schildern Klienten Erfahrungen, hinter die sie nicht mehr zurück möchten. Und an dieser Stelle beginnt das Dilemma für den, der betrogen hat und auch für die Paarbeziehung: Was mache ich damit, dass ich eine Form von Lebendigkeit, von Vitalität gelebt habe, die ich vorher so nicht leben konnte? Wie gehen wir als Paar eigentlich damit um, dass offensichtlich zumindest für einen von uns etwas Essentielles gefehlt hat?

Und hier braucht es großen Mut für beide Seiten: Mut, zu erzählen, welches Erleben die Affäre mir ermöglicht hat – und Mut, sich dem Erzählten zu stellen und es auszuhalten Dinge zu hören, die bisher gefehlt haben in der Partnerschaft. Ein sehr berührender Moment in Paartherapien ist es, wenn der Betrüger authentisch den Schmerz anerkennen kann, den er dem Betrogenen zugefügt hat.

Und nun?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten eine Affäre zu verarbeiten. Bessere – und schlechtere. Eine schlechtere Variante in Bezug auf die künftige Beziehungsqualität könnte sein, in dem Schmerz zu verharren und sich die Geschichte ewig vorzuhalten. Dann gibt es die Variante des „Überlebens“, man lässt die Affäre hinter sich und lebt so weiter wie bisher, in der Hoffnung, dass so etwas nie wieder passiert. Und es gibt die Partner, die in eine „neue“ Ehe mit dem alten Partner starten. Mit dieser Variante hat die Paarbeziehung eine echte Chance sich lebendig weiterzuentwickeln. Sollten Sie sich auch in der schwierigen Situation sein eine Affäre verarbeiten zu müssen, können Sie sich gerne für ein Erstgespräch melden!